Verordnung über die Berufsausbildung zum Technischen Konfektionär/zur Technischen Konfektionärin

Abkürzung
TKonfAusbV 2010
Aktualisiert am 3. Januar 2026

Staatliche Anerkennung des Ausbildungsberufes

Der Ausbildungsberuf Technischer Konfektionär/Technische Konfektionärin wird nach § 4 Absatz 1 des Berufsbildungsgesetzes staatlich anerkannt.

Dauer der Berufsausbildung

Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Ausbildungsrahmenplan, Ausbildungsberufsbild

(1) Gegenstand der Berufsausbildung sind mindestens die im Ausbildungsrahmenplan (Anlage) aufgeführten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit). Eine von dem Ausbildungsrahmenplan abweichende Organisation der Ausbildung ist insbesondere zulässig, soweit betriebspraktische Besonderheiten die Abweichung erfordern.
(2) Die Berufsausbildung zum Technischen Konfektionär/zur Technischen Konfektionärin gliedert sich wie folgt (Ausbildungsberufsbild):
  • 1.
    • Anfertigen und Anwenden von technischen Unterlagen,
  • 2.
    • Auswählen und Einsetzen von Werk- und Hilfsstoffen sowie Zubehör,
  • 3.
    • Handhaben und Warten von Werkzeugen, Geräten, Maschinen und Anlagen,
  • 4.
    • Zuschneiden von Werk- und Hilfsstoffen,
  • 5.
    • Ausführen von Näharbeiten,
  • 6.
    • Ausführen von Schweißarbeiten,
  • 7.
    • Ausführen von Klebearbeiten,
  • 8.
    • Fertigstellen und Instandsetzen von technischer Konfektionsware;

Durchführung der Berufsausbildung

(1) Die in dieser Verordnung genannten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sollen so vermittelt werden, dass die Auszubildenden zur Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit im Sinne von § 1 Absatz 3 des Berufsbildungsgesetzes befähigt werden, die insbesondere selbstständiges Planen, Durchführen und Kontrollieren einschließt. Diese Befähigung ist auch in den Prüfungen nach den §§ 5 und 6 nachzuweisen.
(2) Die Ausbildenden haben unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplanes für die Auszubildenden einen Ausbildungsplan zu erstellen.
(3) Die Auszubildenden haben einen schriftlichen Ausbildungsnachweis zu führen. Ihnen ist Gelegenheit zu geben, den schriftlichen Ausbildungsnachweis während der Ausbildungszeit zu führen. Die Ausbildenden haben den schriftlichen Ausbildungsnachweis regelmäßig durchzusehen.

Zwischenprüfung

(1) Zur Ermittlung des Ausbildungsstandes ist eine Zwischenprüfung durchzuführen. Sie soll zum Ende des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden.
(2) Die Zwischenprüfung erstreckt sich auf die in der Anlage für die ersten drei Ausbildungshalbjahre aufgeführten Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten sowie auf den im Berufsschulunterricht zu vermittelnden Lehrstoff, soweit er für die Berufsausbildung wesentlich ist.
(3) Die Zwischenprüfung findet im Prüfungsbereich Fügetechnik statt.
(4) Für den Prüfungsbereich Fügetechnik bestehen folgende Vorgaben:
  • 1.
    • Der Prüfling soll nachweisen, dass er
      • a)
        • Skizzen und Fachzeichnungen erstellen und anwenden,
      • b)
        • Arbeitsschritte festlegen, technische Unterlagen anwenden, Berechnungen durchführen,
      • c)
        • Werk- und Hilfsstoffe bestimmen, Fertigungsverfahren auswählen,
      • d)
        • Werkzeuge, Geräte, Maschinen und Anlagen auswählen und einsetzen,
      • e)
        • Teile zuschneiden, kontrollieren und zuordnen,
      • f)
        • Fügetechniken auswählen, Teile mit vertikalen und horizontalen Nähten zu einem Produkt zusammenfügen,
      • g)
        • Zubehörteile auswählen und anbringen,
      • h)
        • Maßnahmen zur Arbeitsorganisation, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit, zum Umweltschutz, zur Kundenorientierung, zur Wirtschaftlichkeit und zur Qualitätssicherung berücksichtigen sowie
      • i)
        • fachliche Hintergründe aufzeigen sowie die Vorgehensweise bei der Durchführung der Arbeitsprobe begründen
  • 2.
    • der Prüfling soll eine Arbeitsprobe durchführen und hierüber ein situatives Fachgespräch führen sowie Aufgabenstellungen, die sich auf die Arbeitsprobe beziehen, schriftlich bearbeiten;
  • 3.
    • die Prüfungszeit beträgt insgesamt sechs Stunden; innerhalb dieser Zeit soll das situative Fachgespräch in höchstens zehn Minuten sowie die Bearbeitung der schriftlichen Aufgabenstellungen in 120 Minuten durchgeführt werden.

Abschlussprüfung

(1) Durch die Abschlussprüfung ist festzustellen, ob der Prüfling die berufliche Handlungsfähigkeit erworben hat. In der Abschlussprüfung soll der Prüfling nachweisen, dass er die dafür erforderlichen beruflichen Fertigkeiten beherrscht, die notwendigen beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und mit dem im Berufsschulunterricht zu vermittelnden, für die Berufsausbildung wesentlichen Lehrstoff vertraut ist. Die Ausbildungsordnung ist zugrunde zu legen.
(2) Die Abschlussprüfung besteht aus den Prüfungsbereichen:
  • 1.
    • Konfektion technischer Textilien,
  • 2.
    • Planung und Fertigung,
  • 3.
    • Wirtschafts- und Sozialkunde.
(3) Für den Prüfungsbereich Konfektion technischer Textilien bestehen folgende Vorgaben:
  • 1.
    • Der Prüfling soll nachweisen, dass er
      • a)
        • Art und Umfang von Arbeitsaufträgen erfassen, Arbeitsabläufe selbstständig planen, durchführen und dokumentieren,
      • b)
        • konstruktive Zusammenhänge berücksichtigen,
      • c)
        • Fachzeichnungen anwenden, Berechnungen durchführen,
      • d)
        • Material berechnen, Zeitbedarf abschätzen,
      • e)
        • produktbezogene Bestimmungen und Normen anwenden,
      • f)
        • Schnittschablonen erstellen,
      • g)
        • Prozessdaten einstellen, Produktionsprozesse überwachen, Verfahrensparameter korrigieren,
      • h)
        • Zuschnitte konfektionieren,
      • i)
        • technische Konfektionsware fertigstellen und kontrollieren,
      • j)
        • Maßnahmen zur Arbeitsorganisation, zur Sicherheit und zum Gesundheitsschutz bei der Arbeit, zum Umweltschutz, zur Kundenorientierung, zur Wirtschaftlichkeit und zur Qualitätssicherung berücksichtigen sowie
      • k)
        • fachliche Hintergründe aufzeigen sowie die Vorgehensweise bei der Herstellung der Prüfungsstücke begründen
  • 2.
    • dem Prüfungsbereich sind folgende Tätigkeiten zugrunde zu legen:
    • Herstellen zweier textiler Produkte unter Anwendung unterschiedlicher Fügetechniken;
  • 3.
    • der Prüfling soll zwei Prüfungsstücke anfertigen, mit praxisbezogenen Unterlagen dokumentieren und hierüber ein auftragsbezogenes Fachgespräch führen;
  • 4.
    • die Prüfungszeit beträgt insgesamt acht Stunden; innerhalb dieser Zeit soll das auftragsbezogene Fachgespräch in höchstens 20 Minuten durchgeführt werden.
(4) Für den Prüfungsbereich Planung und Fertigung bestehen folgende Vorgaben:
  • 1.
    • Der Prüfling soll nachweisen, dass er
      • a)
        • Anforderungsprofile produktbezogen bestimmen,
      • b)
        • Werkstoffeigenschaften bestimmen und Auswirkungen von Veredelungsprozessen berücksichtigen,
      • c)
        • Zusammenhänge zwischen Materialien, Verarbeitungstechnik und Verwendungszweck berücksichtigen,
      • d)
        • Materialbedarf ermitteln,
      • e)
        • Arbeitsablaufplan erstellen,
      • f)
        • technische Zeichnungen erstellen und auswerten sowie
      • g)
        • qualitätssichernde Maßnahmen darstellen
  • 2.
    • der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;
  • 3.
    • die Prüfungszeit beträgt 180 Minuten.
(5) Für den Prüfungsbereich Wirtschafts- und Sozialkunde bestehen folgende Vorgaben:
  • 1.
    • Der Prüfling soll nachweisen, dass er allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge der Berufs- und Arbeitswelt darstellen und beurteilen kann;
  • 2.
    • der Prüfling soll praxisbezogene Aufgaben schriftlich bearbeiten;
  • 3.
    • die Prüfungszeit beträgt 60 Minuten.
(6) Die einzelnen Prüfungsbereiche sind wie folgt zu gewichten:
  • 1.Prüfungsbereich Konfektion
    technischer Textilien

    60 Prozent,
    2.Prüfungsbereich Planung
    und Fertigung

    30 Prozent,
    3.Prüfungsbereich Wirtschafts-
    und Sozialkunde

    10 Prozent.
(7) Die Abschlussprüfung ist bestanden, wenn die Leistungen
  • 1.
    • im Gesamtergebnis mit mindestens „ausreichend“,
  • 2.
    • in mindestens zwei Prüfungsbereichen mit mindestens „ausreichend“ und
  • 3.
    • in keinem Prüfungsbereich mit „ungenügend“
(8) Auf Antrag des Prüflings ist die Prüfung in einem der mit schlechter als „ausreichend“ bewerteten Prüfungsbereiche, in denen Prüfungsleistungen mit eigener Anforderung und Gewichtung schriftlich zu erbringen sind, durch eine mündliche Prüfung von etwa 15 Minuten zu ergänzen, wenn dies für das Bestehen der Prüfung den Ausschlag geben kann. Bei der Ermittlung des Ergebnisses für diesen Prüfungsbereich sind das bisherige Ergebnis und das Ergebnis der mündlichen Ergänzungsprüfung im Verhältnis von 2:1 zu gewichten.

Bestehende Berufsausbildungsverhältnisse

Berufsausbildungsverhältnisse, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung bestehen, können unter Anrechnung der bisher zurückgelegten Ausbildungszeit nach den Vorschriften dieser Verordnung fortgesetzt werden, wenn die Vertragsparteien dies vereinbaren.

Inkrafttreten, Außerkrafttreten

Diese Verordnung tritt am 1. August 2010 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Verordnung über die Berufsausbildung zum Technischen Konfektionär/zur Technischen Konfektionärin vom 3. Februar 1997 (BGBl. I S. 226, 2212) außer Kraft.